Orgelvesper zur Karwoche

Nicht aus­ge­schlos­sen, dass die mu­si­ka­li­sche Bot­schaft vor dem Hin­ter­grund des Kriegs in der Ukrai­ne eine be­son­de­re Ein­dring­lich­keit er­hält. Gut mög­lich, ver­mag uns die Mu­sik an­ge­sichts un­se­rer Macht­lo­sig­keit im Glau­ben an die Nähe Got­tes in Zei­ten von Angst und Ver­zweif­lung und an die Kraft un­se­rer Ge­mein­schaft mit ihm zu er­in­nern und zu stär­ken. Ge­wiss ist, auch dies Jahr lädt die re­for­mier­te Kirch­ge­mein­de am Vor­abend von Palm­sonn­tag, 9. April um 17.30 Uhr zur tra­di­tio­nel­len Or­gel­ves­per zur Kar­wo­che ein.

Als Ein­stim­mung auf die stil­len Tage mit ih­rem Ge­den­ken an den Ein­zug Jesu in Je­ru­sa­lem, an die Ein­set­zung des Abend­mahls so­wie an die Lei­den und Ster­ben Jesu wird Thi­lo Mus­ter in der stim­mungs­voll er­leuch­te­ten Kir­che Wer­ke von J.S. Bach und Otto Mal­ling spie­len. Dazu er­klin­gen bi­bli­sche Tex­te, vor­ge­tra­gen von Lek­tor Mar­kus Wei­bel. 

Das wäh­rend Bachs Zeit als Kon­zert­meis­ter der Wei­ma­rer Hof­ka­pel­le um 1716 ent­stan­de­ne Prä­lu­di­um und Fuge BWV 534 steht in f‑Moll, also in der­je­ni­gen Ton­art, die ge­mäss ba­ro­cker Af­fek­ten­leh­re «Angst und Ver­zweif­lung» aus­drück­te. Das be­ruh­te nicht al­lein auf Kon­ven­ti­on. Das im Rah­men der al­ten Stim­mungs­sys­te­me ent­le­ge­ne f‑Moll klang auf­grund der sich in ihm er­ge­ben­den In­ter­vall­pro­por­tio­nen auf ba­ro­cken Or­geln noch weit­aus «angst- und ver­zweif­lungs­vol­ler» als auf
mo­der­nen, gleich­schwe­bend ge­stimm­ten In­stru­men­ten. Die Ton­spra­che des ge­sam­ten Stücks ist auf den Af­fekt der Ton­art aus­ge­rich­tet. So ist das Prä­lu­di­um ge­prägt von Fi­gu­ren, Be­we­gungs­ab­läu­fen und har­mo­ni­schen Fol­gen, die ganz im Zei­chen ei­nes leid­vol­len Ab­wärts ste­hen und auch das Fu­gen­the­ma war­tet be­reits nach drei Tö­nen mit ei­nem über­aus schmerz­vol­len Sext­sprung ab­wärts auf. 

Uns Ge­gen­wär­ti­ge er­zäh­le­ri­scher be­rüh­ren die Wer­ke von Otto Mal­ling (1848–1915), der Schü­ler des be­rühm­ten Niels Wil­helm Gade war. Als Di­ri­gent, Hoch­schul­leh­rer und Or­ga­nist an der Dom­kir­che von Ko­pen­ha­gen gilt Mal­ling als ei­ner der be­deu­tends­ten dä­ni­schen Kom­po­nis­ten der Ro­man­tik. Ne­ben zahl­rei­chen Or­gel­wer­ken schuf er auch Or­ches­ter- und Kam­mer­mu­sik, Kla­vier­stü­cke, Chor­wer­ke und Lie­der. Thi­lo Mus­ter wird aus­ge­wähl­te Sät­ze aus sei­nen Or­gel­zy­klen «Die sie­ben Wor­te des Er­lö­sers am Kreu­ze» op. 81, «Der Tod und die Auf­er­ste­hung Chris­ti» op. 54 so­wie aus den «Fest­ta­gen des Kir­chen­jah­res» op. 66 zu Ge­hör bringen.

Do­mi­ni­que von Hahn, Kirchenpflege