Orgelvesper zur Karwoche

Die Pandemie hat uns nun schon einiges an Geduld, Flexibilität und Hoffnung abverlangt und noch lässt sich kaum abschätzen, unter welchen Umständen wir dies Jahr Karfreitag begehen und Ostern feiern werden. Ganz sicher ist hingegen, dass uns unsere Organistin Alexandra Weidlich auch dies Jahr in der traditionellen Orgelvesper zur Karwoche vom Samstag, 27. März 2021, 17.30 Uhr mit zwei wunderbaren Werken von J.S. Bach seelisch-musikalisch zum Gedenken an die Leiden Jesu und die Auferstehung einladen wird. Die Musik Bachs tritt dabei in Dialog mit biblischen Texten, ausgewählt und gelesen von Pfarrerin Claudia Laager-Schüpbach.

Auf dem Programm stehen zunächst Präludium und Fuge h-Moll BWV 544. Die bei Bach mit Leid und Schmerz assoziierte Tonart, die unruhig zerrenden Klangarabesken und die dumpfen Schläge im Pedal gemahnen an die Ereignisse auf dem «Kreuzeshügel» und erinnern an die ergreifende Alt-Arie «Erbarme dich» aus der Matthäuspassion. Dieser leidenschaftlichen Eröffnung schliesst sich die Fuge, wie häufig bei Bach dem Prinzip des Kontrasts folgend, mit ruhiger und klarer Bewegung und Harmonik an. Mit wachem Ohr lässt sich das schlichte bogenförmige Thema – wie üblich in verschiedenen Tonarten – rund zwanzig Mal deutlich hören.

Die Choralpartita «O Gott, du frommer Gott» BWV 767 schrieb Bach im Alter von 16 Jahren noch als Gymnasiast in Lüneburg. Sie weist zahlreiche kompositorische Ähnlichkeiten mit Choralpartiten der norddeutschen Komponisten Georg Böhm und Dietrich Buxtehude auf, an denen sich der junge Bach orientierte. Das Stück umfasst zunächst eine schlichte Harmonisierung des gleichnamigen gebetsartigen Kirchenliedes. In diesem wird in 8 Strophen um das Gelingen eines christlichen
Lebens gebeten und die Hoffnung auf Erlösung zum Ausdruck gebracht. Es folgt eine Reihe von Variationen, in denen Bach gewisse Aspekte der jeweiligen Liedstrophe musikalisch abbildet. Anhand des im Abendprogramm abgedruckten Liedtextes kann dies hörend nachvollzogen werden. Ob wir die Strophen des Liedes dann auch wieder singen dürfen?

Dominique von Hahn